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BERICHT DER SPIELFILMJURY ZUR 4. FILMSCHAU DER HFF
Die gezeigten Filme decken ein breites Spektrum ab, in Länge, Form und Stoffauswahl. Von einer Minute
bis 45 Minuten, Trick und Real, Schwarzweiß und Farbe, vom Sozialdrama bis zur Horrorfilmparodie, alles war vertreten. Viele unterschiedliche Geschichten also, aber jede gut erzählt, qualitativ
hochwertig. Das machte es der Jury sehr schwer, sich für einen besten Film zu entscheiden, der am
Ende die „Goldene Heidi“ bekommen sollte.
Über die Genregrenzen hinweg meinen wir dennoch Tendenzen feststellen zu können. In vielen Filmen
spielt die Zahl „Zwei“ eine Rolle, auch binäres Denken und Bipolarität. Es mag der
Tatsache geschuldet sein, dass es sich bei allen Filmen in der Wertung um Kurzfilme handelt, aber die
Konzentration auf zwei Charakteren oder gedanklichen Polen ist dennoch auffällig. In Null Eins
wird das binäre System reflektiert, die Handwerker Gottes treten zu zweit auf, zwei Charaktere bilden den Titel von Der Wachmann und das kleine Mädchen. Auch Familiengeschichten werden
überwiegend als Zweierkonstellation erzählt: Vater und Sohn (Der einsame König), Bruder und
Schwester (Die Ehrlose), Großvater und Enkel (Tohuwabohu, Eine kleine Anekdote).
Immer wieder ist auch die Bipolarität von Mann und Frau, das Suchen, Finden und Verlieren der Liebe
Thema (z.B. La nuit passée, Eine Hammergeschichte, Fährst Du mit?).
Eine andere Tendenz ist die Darstellung von in hermetischen Welten lebenden Personen. Der Mann in
Eine Hammergeschichte verkriecht sich hinter seiner Ü-Ei-Sammlung, in Von Abenteuern und
Herzen ist das polnische Päarchen auf Hochzeitsreise in der ihnen fremden Welt in Bayern (auch
binär), ähnliches gilt für fast alle oben erwähnten Titel. Was eben auch heißt, dass es auffällig
viele Filme gibt, in denen die konkrete soziale, politische Realität komplett ausgeklammert ist, man
sich eine weltferne kleine, in sich übersichtliche Spielkiste sucht, mit eigenen, übersichtlichen
Regeln und Gesetzen… Nur in Fährst Du mit? wird die hermetische Welt richtig
aufgebrochen. Da wird das Leben in einer abgekapselten, zu engen Welt zum Thema gemacht und der
Ausbruch versucht.
Deutlich erkennbar war auch eine gesteigerte Zuwendung zur Komödie oder zu komischen Elementen in
Filmen (Ironie, Satire, Persiflage etc.), wie z.B. Eine kleine Anekdote, Das Baby,
Der goldene Nazivampir von Absam 2. Auch im Film Null Eins wird die Thematik eines
arbeitslos werdenden Menschen und der „Übernahme“ der IT-Branche durch Inder mit einem
deutlichen „Augenzwinkern“ behandelt. Der handwerkliche Umgang mit genrespezifischen
Elementen der Komödie wurde zum großen Teil bravourös gemeistert. Solche Filme zu schauen macht
einfach Spaß!
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