KATEGORIE SPIELFILM
1. Preis Goldene Heidi
Der rote Punkt von Marie Miyayama
Obwohl dieser Abschlussfilm den Weg in die Öffentlichkeit bereits gefunden hat, kamen wir auch nach langen Diskussionen und Erwägungen nicht umhin, diesen Film mit dem Ersten Preis zu bedenken, da er eindeutig die herausragendste Leistung darstellt. Er berührt durch eine besondere Geschichte, die ihre Emotionalität aus ungewöhnlichen Situationen schöpft.
Einer wahren Begebenheit folgend, entwickelt die Regisseurin eine Geschichte, die ihre Authentizität gerade aus dem wahren Kern schöpft. Dabei erzeugt sie eine dramaturgisch-fiktionale Dichte, die den 90 Minuten standhält und einen Spannungsbogen von der ersten bis zur letzten Minute schafft.
Selbstbewusst erzählt, hat es sich Regisseurin Marie Miyyayama dabei nicht leicht gemacht, indem sie Abstand davon nahm, sich altbekannter Klischees eines bayerisch-japanischen Culture-Clashs zu bedienen. Ohne manieriert zu wirken, vertraut sie eben nicht auf die Exotik des fernen Ostens oder gar bayerischer Komik. Im Gegenteil: Sie zeigt uns geradezu andere Aspekte einer neuen Art Heimatfilm. Marie Miyyayama schafft Empathie für alle ihre Figuren, wahrt dabei jedoch eine respektvolle Distanz zu diesen. Seine große Spannung zwischen den Figuren und seine starke Emotionalität bezieht der Film oft aus dem nicht verbal Ausgesprochenen.
Regie, Drehbuch, Kamera, Szenenbild, Schauspielführung, Auswahl der Darsteller etc. sind in diesem Film stimmig und ergänzen sich wunderbar. Das alles macht diesen Film innerhalb der diesjährigen Filmschau so ungewöhnlich und unvergleichbar.
Sonderpreise
Unverwundbar von Felice Götze
Alles wieder gut von Satu Siegmund
Diese beiden Abschlussfilme überzeugten uns durch ihr hohes handwerkliches Niveau, die dramaturgische Dichte und Emotionalität der Story – und vor allem durch die gesellschaftliche Relevanz der Themen.
Lobende Erwähnungen
Couchsurfing von Sebastian Stern
Die erste lobende Erwähnung möchten wir dem Film Couchsurfing von Sebastian Stern aussprechen. Uns gefällt, dass dieser Filmemacher für seine kleine Geschichte gebrannt hat. Eine tolle Idee, eine gute Umsetzung und eine spürbare Liebe zum Französischen Kino. Wir wünschen uns mehr von solchen experimentellen Kleinoden in der nächsten Filmschau.
Jakob R. von Adam Karol Zimny
Auch Jakob R. von Adam Karol Zimny verdient eine Auszeichnung. Ein kleiner 01er-Film, eine Regie-Übung, eine Kamera-Übung, eine richtig gute Idee. Das schwierige Thema des Phänomens Stalking ist dramaturgisch gut gesetzt. Das macht viel Potential bei Regisseur und Autor sichtbar. Wir wünschen uns auch bei vermeintlich kleinen oder unwichtigen Übungen mehr Mut zum Inhalt.
Martha von Mara Eibl-Eibelsfeldt
Ein Lob sei an dieser Stelle ausgesprochen für Martha von Mara Eibl-Eibelsfeldt. 42 spannende Minuten aus dem Genre des Psycho- und Erotikthrillers entstehen aus einer scheinbar alltäglichen Situation. Gerade in seiner Beschränkung und seiner meisterhaften Figurenführung entsteht um das Sehen und Gesehenwerden ein Spiel zwischen zwei Menschen, das irgendwann keines mehr ist. Hier gibt es keine Opfer, nur Täter.