HFF-Stipendium für Medienkunst
Zwischen Allegorie und Tryptichon
HFF München-Studentin Sonja Kröner erhält das HFF-Stipendium für Medienkunst der Kirch-Stiftung
(HFF München, 23.07.2008) Gestern vergab die Jury das Jahrestipendium für Medienkunst an Sonja Kröner, Studentin der Abteilung Kino- und Fernsehfilm, für ihre Idee zu der medialen Raumskulptur „Six doors“. Sonja Kröner bekommt zur Projektverwirklichung ein Jahr lang 800 Euro monatlich, eine Wohnung mit Atelier mietfrei sowie 5.000 Euro Materialkostenzuschuss. Magdalena Hutter, Kamerastudentin der Abteilung Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik, erhielt für ihren eingereichten Vorschlag „Tryptich“ erstmals einen Anerkennungspreis und ebenfalls einen Materialkostenzuschuss von 5.000-Euro.
Insgesamt gingen bis zum 12. Juli dieses Jahres 16 Bewerbungen ein. In den Augen der siebenköpfigen Jury, bestehend aus Professorin Dr. Michaela Krützen, Abteilung Kommunikations- und Medienwissenschaft, Architektin Regina Hesselberger-Purrmann, Kunstkritikerin Ingrid Rein, Rechtsanwalt Friedrich Carl Rein, Kirch-Stiftung, Rupert Schäfer, Senior Project Manager Digital Innovation bei Hubert Burda Media, und Professor Heiner Stadler, Abteilung Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik, sowie Dr. Stephan Urbaschek, Senior-Kurator für Ausstellungen und Medienkunst der Sammlung Goetz, bestach am Ende Sonja Kröners Projektvorschlag „Six doors“. Die Begründung: „Mit der allegorischen Raumskulptur ‚Six doors’ öffnet sich im wahrsten Sinne des Wortes ein medialer Raum für Reflexion über das Leben, das Alter und die Vergänglichkeit des Seins.“ Mit dem Anerkennungspreis an Magdalena Hutter würdigte die Jury außerdem das allgemein hohe Niveau der Einreichungen. An Magdalena Hutters Projektidee gefiel der Jury „die Auseinandersetzung mit dem großen Themenkreis um Migration, Grenzen und Wegen in Form einer säkularen Tryptichon-Installation“.
Mit Six doors will Sonja Kröner mit den Mitteln des bewegten Bildes eine moderne Allegorie schaffen. Sie meint: „Jede Erfahrung braucht ihren eigenen Raum. Und ähnlich wie in früheren Epochen ‚Sinnbilder’ immer ihren Platz in einem ihrer Bedeutung angemessenen Ort fanden, soll auch für die Allegorie ‚Six doors“ ein eigens für sie geschaffenen Raum mit seinen ganz eigenen Rezeptionsbedingungen geschaffen werden.“ Der Raum soll achteckig sein und neben dem Zugang sechs Türen haben. Von jeder Tür mit einem Spion auf Augenhöhe dringen gedämpft Geräusche in den Raum. Ein Blick durch den Spion, öffnet den Blick auf einen weiteren identischen Raum, bewohnt von Menschen in unterschiedlichen Lebensaltern. Wir sehen einen Säugling, ein Kind, einen Jugendliche, 34-Jährigen, 57-jährigen und einen Greis. Inspirieren zur Idee ließ sich Sonja Kröner von Hans Baldungs Gemälde „Die sieben Lebensalter des Weibes“ von 1544, das im Original im Museum der Bildenden Künste in Leipzig zu sehen ist.
Tryptich von Magdalena Hutter muss man sich als multimediale Installation im Raum vorstellen. Stilisierte Elemente eines Kirchenschiffes und ein dreiteiliges Altarbild mit 3-Kanal-Video strukturieren den Raum . Erzählt werden über Bilder und Töne Geschichten über Gänge durch Wüstenlandschaften von Grenzüberquerern, Grenzbewachern und Grenznachbarn. Zunächst solle laut Magdalena Hutter die Illusion hergestellt werden, die beschriebenen Erfahrungen nachempfinden zu können. Dann werde diese aber dekonstruiert. Die Installation soll zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhältnis zu Grenzen anregen. „Sie soll“, so die Studentin, „auffordern, irritieren, Assoziationen auslösen.“
Im November kann Sonja Kröner in das von der Kirch-Stiftung mietfrei zur Verfügung gestellte Atelier und Wohnhaus einziehen, um an der Verwirklichung ihrer Idee zu arbeiten. Dazu kommen noch eine monatliche finanzielle Unterstützung von 800.-€, die Übernahme der Studiengebühren und ein Materialkostenzuschuss von 5.000 €. Diese Leistungen werden ebenfalls von der Kirch-Stiftung getragen. Die Studentin hat dann ein Jahr Zeit (bis September 2009), um ihre Idee zu verwirklichen. Das Stipendium Medienkunst der Hochschule für Fernsehen und Film München wurde bereits zweimal vergeben. Johannes Wende, Student der Abteilung Kino und Fernsehfilm erhielt das Stipendium 2006, 2007 kamen die beiden Studenten Max Fey (Abteilung Kino und Fernsehfilm) und Jan Gassman (Abteilung Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik) zum Zuge. Sie arbeiten gerade an der Fertigstellung ihres Projektes „Stumbling bulb“.
Für das Stipendium Medienkunst können sich alle Studierende und alle Absolventen der HFF München bewerben, die das 32. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.