Was macht ein Kameramann?
Das Aufgabenfeld von Kameramann/frau ist viel weiter gespannt, als es von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Sogar Kamera-Studenten haben oft nur ein verschwommenes Bild von ihrem künftigen Einsatzbereich. Ein anspruchsvoller Beruf - wir haben zusammengetragen, worauf es ankommt.
Kameraleute machen Atmosphäre
Die Arbeit von Kameraleuten besteht hauptsächlich aus zwei großen Aufgabenfeldern: der Bildgestaltung und der Lichtführung. Zusammen mit dem Regisseur und dem Szenenbildner bestimmen sie die optische Gestaltung des Films. In der Praxis wird dabei meist eine Szene von der Regie zur Probe gestellt. Danach bringt der Kameramann seine Vorstellung von der Szene ein. Ein großer Teil der Entscheidungen fällt jedoch schon in der Vorbereitungszeit: Die optische Auflösung wird dort weitgehend mit dem Regisseur festgelegt. Auch die Lichtführung wird bei komplizierteren Motiven im Vorfeld bestimmt, weil sie vorbereitet werden muss.
Bei der Lichtsetzung hat der Kameramann die alleinige Entscheidung und Verantwortung. Ein Kamerateam besteht bei einem normalen TV-Film aus etwa zehn Leuten, bei einer Spielfilmproduktion kann es auf rund 25 Mitarbeiter anwachsen.
Kameraleute arbeiten sowohl an der künstlerischen als auch der technischen Herstellung des Films mit. Ihre Aufgabe ist die eigenschöpferische und eigenverantwortliche Bildgestaltung. Ihr Verantwortungsbereich umfasst alle Stadien der Filmherstellung. Der Kameramann ist nach dem Regisseur der Mitarbeiter im Team, der bei der Entstehung eines Films am längsten beschäftigt ist: von Vorbereitungen über die Drehzeit, die Abnahme der Filmkopien bis zur sogenannten Postproduktion, der Nachbearbeitung des Films. Außerdem ist der Kameramann Führungsperson. Seine Mitarbeiter im Kamerateam qualifiziert er als ihr "Chef" für höhere Positionen. Zudem muss er rechnen: Der Bereich Kamera verschlingt schnell viel Geld. Vor seinen Geldgebern ist der Kameramann für sein Budget verantwortlich - folglich muss er es kontinuierlich kontrollieren. Die entgültige Kontrolle übernimmt meist der Produktionsleiter.
Seine Ausdrucksmittel sind mit der technischen Vielfalt gewachsen. Die Technik ist jedoch nur die Basis für die kreative Kameraarbeit. Den künstlerischen Anteil seines Schaffens nimmt die Öffentlichkeit meist weniger wahr.
Buch, Regie, Kamera, Szenografie und Produktion sind die tragenden Säulen bei der Entstehung eines Films. Der Kameramann arbeitet am engsten mit dem Regisseur zusammen, der das Drehbuch interpretiert und den Stoff inszeniert. Die Übergänge zwischen beiden Bereichen sind fließend: Der Kameramann beeinflusst die Inszenierung - der Regisseur redet bei der Visualisierung mit.
Berufsbild
Für den Beruf des Kameramanns gibt es kein offiziell festgelegtes Berufsbild.
Mit dem Begriff "Kamerafrau/-mann" bezeichnet man zwei unterschiedliche Berufe: einmal die künstlerische Bildgestaltung. Um dieses Berufsfeld geht es an der HFF München. Darunter versteht man den gesamten Bereich inszenierter Film-, TV- und Videoproduktionen, also Kino-Spielfilme, Fernsehspiele, -serien und Werbung. Auch gestaltete Dokumentar- und Industriefilme zählen dazu. Daneben existiert das zweite Berufsfeld des journalistischen Bildberichterstatters. Darunter fällt beispielsweise die aktuelle Berichterstattung bei Sportübertragungen und bei politischen Veranstaltungen. In der Branche gilt er als technisch Umsetzender, nicht als Bildgestalter.
Karriere
Im Kamerateam unterscheidet man den (Chef-)Kameramann, international "Director of Photography" genannt. Er bestimmt und überwacht innerhalb eines Kamerateams die technischen und gestalterischen Parameter der Aufnahmen, besonders Beleuchtung, Bildkomposition und Kameraführung. Wenn vom "Kameramann" im Folgenden die Rede ist, ist immer dieser gemeint. Weiter unten auf der Karriere-Leiter steht der Operator, früher "Schwenker" genannt. Auch die Kamera-Assistenten sind dem Kameramann weisungsgebunden. Ihr Aufgabengebiet beschränkt sich auf die technisch-manuelle Ausführung.
Arbeitsbereiche
- Festanstellung bei Rundfunk- und TV-Anstalten oder privaten Produktionsgesellschaften. Die Aufstiegsmöglichkeiten sind begrenzt, dafür hat ein fest angestellter Kameramann weitgehend tariflich geregelte Arbeitsbedingungen. Hier verlief die Entwicklung gegen den festangestellten Kameramann. Szenische Filmarbeit macht bis auf den Südwestfunk kaum eine Anstalt mehr in Eigenproduktion; die Fernsehfilme werden frei produziert.
- Freiberufliche Tätigkeit. Freie Kameraleute werden von Film-, TV- und Videoproduktionen im In- und Ausland gebucht. Wenn auch für freie Kameraleute tarifliche Arbeitsbedingungen gelten, so sind in der Praxis Zehn- bis Zwölfstunden-Tage die Regel, über 12 Stunden keine Seltenheit. Dafür sind die Aufstiegsmöglichkeiten unbegrenzt; Top-Positionen werden nur auf dem freien Markt gehandelt.
Der Arbeitsablauf in der Praxis
Vor dem Dreh
Schon mehrere Wochen vor Drehbeginn trifft der Kameramann seine Vorbereitungen. Er liest sich intensiv in Drehbuch und Sekundärliteratur ein und erarbeitet die künstlerischen Grundlagen des Films. Parallel dazu führt er Vorgespräche mit dem Regisseur über Dramaturgie und Stilistik, über Besetzung und Budget. Mit dem Produktionsleiter legt er die technischen Eckdaten, den Drehplan, das Personal und das Budget fest, mit dem Szenenbildner finden ebenfalls Vorgespräche statt über Drehorte, Bauten, Licht und Farbgestaltung. Mit Kostüm- und Maskenbildnern gleicht er danach seine Vorstellungen von Kostümfarben und Schminktechnik ab. Zwischendurch beteiligt er sich an der Motivsuche und testet, ob und wie sich die Locations für die Aufnahmen eignen.
Darauf folgt die Entscheidung über die technische Ausrüstung von Kameras über Filmmaterial bis hin zu Scheinwerfern, Dollies und Kränen. Der Kameramann sucht meist das technische Personal aus: Kamerateam, Bühnentechniker, Beleuchter. Von Darstellern werden unter Umständen Probeaufnahmen gemacht und Einstellungen und Tageszeiten für die einzelnen Szenen bestimmt, wenn sie nicht im Buch festgelegt sind.
Während der Drehzeit
Einstellung für Einstellung wird nun der Film gedreht. Regie und Kamera entscheiden gemeinsam über die Szenenstruktur, über Timing und Rythmus: Welchen Blickwinkel soll die Einstellung haben? Machen wir eine langsame und gleitende Kamerafahrt? Soll der Szenenwechsel schnell sein, hautnah mit Großaufnahmen oder distanziert unter Verwendung der Totalen? Für jede einzelne Einstellung wählt der Bildgestalter dann Kameraposition und -höhe. Wie soll ihre Bewegung sein? Welche Objektive werden eingesetzt? Wie soll die Schärfe sein? Welcher Bildausschnitt wird aus welchem Winkel gefilmt?
All diese Entscheidungen stehen im Dienst der Fragen "Wie kann die Kamera den Zuschauer visuell und emotional beeinflussen?" "Welche Ästhetik und dramatische Wirkung will ich bei Darstellern und Locations erzielen?"
Essentiell ist dabei das Licht. Die Lichtgestaltung liegt in der alleinigen Verantwortung des Kameramannes. Je nachdem, wie Licht und Schatten, Front-, Seiten- oder Gegenlicht, punktuelle oder flächige Beleuchtung, Härte und Weichheit des Lichts, Helligkeit und Dunkelheit eingesetzt werden, entstehen emotionale Wirkungen. Die Atmosphäre wird gezeichnet, die Dramaturgie und Inszenierung unterstützt, Schauspieler, Motive, Länder und Tageszeiten werden charakterisiert.
Täglich, meist abends nach dem Dreh, wenn die Muster aus dem Labor kommen, kontrolliert er diese unter künstlerischen und technischen Gesichtspunkten - schließlich ist auch er für das Endergebnis und letztlich für den Publikumserfolg verantwortlich.
Postproduction
Nach Beendigung der Dreharbeiten beginnt die letzte Produktionsphase. Nachbearbeitungen durch digitale visual effects, wie etwa Actionszenen aus dem Computer, berät und überwacht der Kameramann. Letzte kreative Abstimmungen kann er durch die Licht- und Farbbestimmung im Labor oder mittels elektronischer Farbkorrektur kurz vor der Herstellung der endgültigen Kopien einbringen. Die Arbeit des Kameramannes ist mit der Endabnahme abgeschlossen.