Erfolgsstory eines Kamerastudenten
Tom Fährmann - Die Erfolgsstory
Er ist einer der Absolventen der Hochschule für Fernsehen und Film München, die es geschafft haben: Kameramann Tom Fährmann. Erfolgsstreifen wie "Der Sandmann", "St. Pauli Nacht" oder "Wambo" tragen seine Handschrift, den "C&A"-Spots hat er ihren unverwechselbaren Look verpasst. Für "Der Campus" bekam er den Bayerischen Filmpreis, Branchen-Riesen wie Bernd Eichinger, Sönke Wortmann, Nico Hoffmann und Helmut Dietl klopfen bei ihm an. Vor zwanzig Jahren hat Fährmann an der HFF seine Karriere gestartet.
"Für mich war das eine ganz konsequente Entscheidung", meint Fährmann. Zwei Studien hatte er da schon mit 25 absolviert: Kunst und Katholische Theologie fürs Lehramt und Diplompädagogik. "Schon damals habe ich viel mit Fotografie experimentiert. Beim Hochschulfernsehen in Münster habe ich mitgemacht, in der Herointherapie als Therapeut mit Video und Fotografie gearbeitet. Irgendwann merkte ich: Kamera - das könnte etwas sein, was gut für mich wäre." Was sich bald bestätigte: Auf seinen ersten Übungsfilm im zweiten Semester hin kamen bereits Anfragen anderer Studenten an der HFF: "Kannst du meinen Abschlussfilm fotografieren?" So fing das an mit Fährmanns Karriere - kurz darauf kam es noch besser. "Lutz Konermann war damals Assistent in der Abteilung IV, heute hat er eine Regie-Professur. Er bot mir an, die Kamera für seinen Kinofilm, das Roadmovie "Schwarz und ohne Zucker", zu machen. Da war ich gerade mal im sechsten Semester." Wer kann da schon nein sagen? Der Jung-Kameramann meisterte die Herausforderung mit Bravour: Sein erster Kinofilm "Schwarz und ohne Zucker" wurde ein Riesenerfolg auch bei anspruchsvollen Cineasten. Danach ging alles Schlag auf Schlag: Fernsehfilme, Kinostreifen und Werbespots folgten.
"Bei der Kamera bin ich richtig. Da laufe ich auf 150 Prozent."
Zufall? Glück? Geniale Verbindung von Ästhetik und Technik? Die richtigen Kontakte? Natürlich, aber auch der Mut zur Eigenwilligkeit. Nur so, ist Fährmann überzeugt, kann ein Kameramann seinen eigenen Stil finden - "was immer schwieriger wird in einem Klima, in dem Profitmaximierung und Promi-Allüren den künstlerischen Anspruch zunehmend überlagern." Dazu gehört der Mut, auch mal ein lukratives Angebot abzulehnen. "Ich bekomme Bauchschmerzen, wenn ich sehe, was mir oft als Drehbuch verkauft wird. Das ist kein Erzählen von Geschichten." Fährmanns persönliches Rezept: Ambitionslose Bücher ablehnen, einen, maximal zwei Filme im Jahr und dazwischen Werbung. Als Alternative zu "phantasielosen Plastikfilmen" dreht er lieber Commercials; für ihn die ehrlichere Form des Geldverdienens: "Man muss eben eine Jumbopackung Waschmittel, eine Tütensuppe oder ein Auto verkaufen." Auch daraus hat der Münchner etwas Besonderes gemacht: Mit seinen erfolgreichen "C&A"-Spots war er einer der ersten Filmemacher aus der Oberliga, die einen Mini-Kosmos aus Lebensgefühl fürs Marketing kreierten.
Dazwischen steigt Fährmann immer wieder aus der schnellebigen Filmbranche aus für seine größte künstlerische Leidenschaft: für das Fotografieren, für die Konzeption neuer Fotobände und Ausstellungen. "Damit wollte ich aber nie Geld verdienen. Das wollte ich schon früher sauber halten von allen äußeren Einflüssen, von jedem, der sagt: "Das habe ich bezahlt, also will ich es so haben, wie ich es mir vorstelle.""
Einen schweren inneren Kampf focht Fährmann beim Angebot zum "Superweib" mit sich aus. "Ich bekam das Drehbuch, während ich den "Sandmann" drehte, habe mit Nico Hoffmann darüber geredet und gesagt: ,Das ist doch QuatschŽ. Darauf hat Nico gesagt: ,Herr Fährmann, jetzt mal Schluss mit der Arroganz. Wann bekommst du denn das nächste mal einen knapp 10-Millionen-Film fürs Kino angeboten? Sag zu, der Sönke hat gute Filme gemacht, der wird das schon hinbekommen.`" Zwei Nächte hat er darüber geschlafen, und schließlich unterschrieben. "Das war auch richtig so, denn dieser Film hat mir den Weg ins Kinogeschäft geöffnet und eine fruchtbare Zusammenarbeit mit Sönke installiert. Insofern war Nicos Einschätzung richtig." Mit "Campus" war Fährmann dann schon glücklicher, "und was mir wirklich gut gefallen hat, war "St. Pauli Nacht"". Nächstes großes Projekt: der Fußballfilm "Wunder von Bern" mit Sönke Wortmann.
Die Filmhochschule war für Fährmann der Ort, an dem er sein ganz persönliches Profil entwickeln konnte. "Es muss jedem Studenten klar sein, dass das die einzige Zeit im Leben ist, in der er Dinge ausprobieren kann. Das kommt später nie mehr wieder. Dass man da wirklich Experimente wagt, dass man nicht schon im ersten Semester anfängt, die auf Hochglanz lackierte Visitenkarte fürs Business zu erzeugen. Sondern, dass man versucht herauszubekommen: Was sind meine spezifischen Möglichkeiten in diesem Medium? Was kann ich besonders gut? Bloß nicht: Wie werde ich einer von den anderen Damenstrumpfhosenverkäufern im Filmgeschäft? Eine Frage, sollte man immer wieder bejahen können: ,Liebe ich Filme, liebe ich das Flackern auf der Leinwand und die Geschichten, die ich da erzähle?Ž" Dann liegt man richtig.
Tom Fährmann
Marion Vorbeck