Starter-Filmpreise 2026 an Studentinnen der HFF München vergeben / Starter-Filmpreise werden jährlich vom Kulturausschuss des Stadtrates der Landeshauptstadt München an künstlerisch herausragende Projekte des Münchner Regienachwuchses vergeben / Preisverleihung fand am 26. Juni 2026 und damit wieder im Rahmen des Filmfest München statt
München, 26. Juni 2026 – Wie bereits bekannt gegeben wurde, erhielten in diesem Jahr vier Produktionen von/mit Studentinnen der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) München die Starter-Filmpreise der Landeshauptstadt München: Die drei mit jeweils 8.000 € dotierten Regie-Nachwuchspreise gehen an Anna-Maria Dutoit für ELYSIAN FIELDS, Lea El Attal und Anton Augsten für WAS WIR NUR EINANDER SAGEN und Mira-Belle Rose Bryld für ENGINE OF LOVE. Zusätzlich wird ein Starter-Filmpreis / Produktion vergeben - als geldwerte Leistung für die Postproduktion eines künftigen Films in Höhe von 10.000 Euro, gestiftet von Pharos – The Post Group. Dieser geht an Gisela Carbajal Rodríguez für CORAZÓN AUSENTE.
Über die Vergabe der Preise hatte in diesem Jahr folgende Jury unter dem Vorsitz von Kulturreferent Marek Wiechers entschieden: Daood Alabdulaa (HFF-Student, Filmemacher, Preisträger 2025), Dunja Bialas (Filmjournalistin), Erec Brehmer (HFF-Alumnus, Filmemacher, Preisträger 2022), Linus Einsiedler (Medienzentrum München de JFF), Julia Fuhr Mann (HFF-Alumna*, Filmemacher*in/Preisträger*in 2024), Julia Weigl (Filmfest München) und aus dem Stadtrat: Mo Lovis Lüttig (Fraktion Die Grünen-Rosa Liste-Volt), Thomas Niederbühl (Fraktion Die Grünen-Rosa Liste-Volt), Leo Agerer (Fraktion der CSU mit FREIE WÄHLER), Hans-Peter Mehling (Fraktion der CSU mit FREIE WÄHLER), Lars Mentrup (SPD-Fraktion).
Anna-Maria Dutoit für ELYSIAN FIELDS
HFF-Team: Anna-Maria Dutoit (Buch, Regie), Louis Dickhaut (Kamera), Michaela Mederer, Chara Fournari, Ansastasis Mavrogiannis (alle drei Produktion)
Jurybegründung: Mit „Elysian Fields“ ist Anna-Maria Dutoit ein eindrucksvoller Kurzfilm gelungen, der durch seine dichte Atmosphäre, starke Bildsprache und gesellschaftliche Relevanz überzeugt. Die Dimensionen und Auswirkungen der Klimakrise nehmen zwar seit Jahren einen diskursiven-politischen Raum ein, bohren sich aber häufig nur dann in das gesellschaftliche Bewusstsein, wenn Ereignisse katastrophalen Ausmaßes stattfinden. Die Klimakrise, eine sich in Zeitlupe entfaltende Katastrophe greifbar und erzählbar zu machen – l auch in ihrem ständigen, latenten Einfluss auf den Alltag –, ist eine gewaltige Herausforderung für Journalist*innen wie Medienschaffende.
Anna-Maria Dutoit hat einen Weg gefunden, dieser Herausforderung zu begegnen: Ihr Film widmet sich dem alltäglichen Kampf mit den sich immer schneller verändernden Bedingungen des Klimas. Beinahe sisyphusartig arbeiten sich die Protagonist*innen des Films, eine griechische Familie, die von ihrem Olivenhain lebt, an der ständigen Trockenheit und der Bedrohung durch Brände ab. In stiller Beobachtung und präzise gestalteter Bildsprache lässt Anna-Maria Dutoit genug Raum für die eigene Reflexion durch das Publikum. Sie verwebt bildlich und inhaltlich Natur und menschliche Existenz und macht durch diese Gleichzeitigkeit deutlich, wie abhängig wir von unserer Umwelt tatsächlich sind. Und gerade in der Entschleunigung liegt die besondere Stärke des Films. Er vermittelt große, schwer darstellbare Themen wie die Klimakrise, Vergänglichkeit und familiäre Kontinuität ohne didaktische Schwere und entfaltet so eine nachhaltige, berührende Wirkung. Poetisch inszeniert wie politisch relevant, kommt dieser Film ohne das Tosen großer Katastrophen aus, sondern gibt dem Gewicht, was im Alltag katastrophal wird.
Lea El Attal und Anton Augsten: WAS WIR NUR EINANDER SAGEN
HFF-Team: Lea El Attal und Anton Augsten (Regie), Constantin Iandolino (Kamera), Julius Reimann, Maya Hähndel (beide Produktion)
Jurybegründung: Mit „Was wir nur einander sagen" ist den beiden Regisseur*innen Lea El Attal und Anton Augsten ein Film über das Trend-Thema KI gelungen, der weder vorschnell urteilt noch in die Klischeefalle überzeichneter Protagonist*innen tappt.
Stattdessen: ein Film, der in erster Linie den Menschen und ihren Beziehungen untereinander Raum gibt und die KI dabei fast beiläufig miterzählt – als Ansprechperson, als Ratgeber, als Unterstützung in schwierigen Lebensphasen, jedoch nie als Ersatz für die parallel stattfindenden menschlichen Interaktionen.
Der Film geht dabei spielerisch mit den Grenzen zwischen Inszenierung und dokumentarischer Beobachtung um, genauso wie mit den Grenzen zwischen KI und menschlicher Interaktion: Mal klingen die Fragen der Protagonistin an die KI fast mechanischer als die von einer menschlichen Stimme gesprochenen Antworten der künstlichen Intelligenz, mal wirken die Begegnungen der Freundesgruppe erst künstlich gesetzt, um dann fließend in Momente voller freundschaftlicher Intimität überzugehen. Ein Film, der mit Grenzen spielt und diese immer wieder auf überraschende Art und Weise aufweicht.
Mira-Belle Rose Bryld: ENGINE OF LOVE
HFF-Team: Mira-Belle Rose Bryld (Buch, Regie, Produktion), Paula Essam (Drehbuch, Viviana Koch (Produktion), Aleksandra Dyja (Kamera)
Jurybegründung: Asta ist Musikerin und Mama. Ihr Zuhause ist liebevoll und bunt, ihr Alltag chaotisch und kompliziert. Wenn sie abends in der Kneipe singt und kellnert, macht ihre Tochter Ello im Hinterzimmer Hausaufgaben und hört die Songs, die sie nachmittags mit ihrer Mama geschrieben und aufgenommen hat. In knalligen Bildern, schnellen Schnitten und mit wunderbaren Popsongs wird in dieser eigenwilligen Dramedy von einer unkonventionellen Mutterschaft erzählt. Authentisch und echt porträtiert Regisseurin Mira-Belle Rose Bryld eine komplexe und zeitgemäße Familie, die sich zofft, immer wieder verträgt und das Leben alles andere als unter Kontrolle hat. Mit viel Feingefühl erzählt sie von Spießern und Freigeistern, Ordnung und Chaos und immer wieder von ganz viel Liebe und Humor.
Gisela Carbajal Rodríguez: CORAZÓN AUSENTE
HFF-Team: Gisela Carbajal Grodríguez (Buch, Regie), Felix Klee (3D Animation Director), Johanna Huber (Produktion)
Jurybegründung: „Corazón ausente (Abwesendes Herz)“ begleitet eine Mutter in Mexiko bei der Suche nach den Überresten ihres verschwundenen Sohnes. Gemeinsam mit anderen Frauen organisiert sie eigenständig Suchaktionen und widersetzt sich der staatlichen Untätigkeit. Der Film beschreibt eine Lebensrealität, die von Verlust und dem beharrlichen Ringen um Gewissheit geprägt ist.
Der Regisseurin Gisela Carbajal Rodríguez gelingt es, dokumentarisches Material und innovative Computeranimation auf eindrucksvolle Weise zu verbinden. Gemeinsam mit dem Animationsregisseur Felix Klee setzt der Film auf ruhige Fahrten durch eine der Realität entrückten Welt, die die Suche der Mutter und ihre Trauer erfahrbar macht. Ohne plakative Emotionalisierung oder Voyeurismus finden Film und Animation eine Form für das Unsagbare. Dabei schützen sie konsequent die Protagonistin, indem sie nie direkt gezeigt wird.
Besonders hervorzuheben ist auch der mutige und engagierte Einsatz der Produzentin Johanna Huber, die dieses sensible und politisch brisante Thema in einer so eigenständigen filmischen Form ermöglicht hat.
Innovativ, eindrücklich und zutiefst menschlich eröffnet „Corazón ausente“ einen Zugang zu einer Lebensrealität, die sich der direkten Darstellung entzieht und gerade dadurch umso nachhaltiger wirkt.
*Aufgrund einer für die Hochschule bindenden Vorgabe durch die allgemeine Geschäftsordnung für den Freistaat Bayern vom 01.04.2024 dürfen sämtliche Personen- und Funktionsbezeichnungen ausschließlich in der weiblichen und/oder männlichen Form aufgeführt werden. Mehrgeschlechtliche Schreibweisen sind unzulässig. Selbstverständlich sind Personen aller geschlechtlicher Identitäten ausdrücklich mit angesprochen.