Filmreihe im Werkstattkino vom 8.-12. Januar: die Anfänge der HFF München
07.01.2026
8. – 12. Januar 2026
DIE ANFÄNGE DER HFF MÜNCHEN: DER B-KURS
Über den zweiten Jahrgang der Hochschule für Fernsehen und Film Für fünf Tage zeigt das Werkstattkino eine Reihe über den B-Kurs der HFF, den zweiten Jahrgang (1968) der Münchner Filmhochschule. Während der A-Kurs als erster Jahrgang (u. a. Wim Wenders, Matthias Weiss, Ingemo Engström) schon mehrfach gewürdigt und mit Retrospektiven bedacht wurde, hatte der B-Kurs in der filmhistorischen Wahrnehmung bisher das Nachsehen. Dieser Ungerechtigkeit wollen wir entgegen- wirken, nicht zuletzt weil beide Jahrgänge viel verbindet. Die Studenten beider Kurse standen nicht nur persönlich im permanenten Austausch, sie waren auch gleichermaßen geprägt von der rebellischen 1968er-Zeit: Beide Jahrgänge nahmen das Lehrangebot nur begrenzt wahr, bestimmten durch exzessiven Besuch der Münchner Programmkinos größtenteils selbst den Lehrplan und zogen eigene Dozenten hinzu. Stilbildend war in viele Hinsicht der Einfluss des A-Kurses: die Ästhetik der „langen Einstellungen in der Totale“ (Münchner Sensibilismus) und der Einsatz von zeitgenössischer Rock- und Popmusik als dramaturgisches Korrelativ. Im B-Kurs der drei Hauptabteilungen (Film, Fernsehspiel, Dokumentation) gab es jedoch auch andere Orientierungen, die an klassische Formen des Erzählens anknüpften. Die Reihe versammelt Kameraübungen, Kurzfilme, Gruppenproduktionen, Abschlussarbeiten und darüber hinaus frühe Regiearbeiten für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (WDR).
Folgende B-Kurs-Absolventinnen und -Absolventen haben ihr Kommen zugesagt: Ilse Hofmann (Regie), Gabi Kubach (Regie), Peter F. Bringmann (Regie), Mike Wiedemann (Produzent), Axel Block (Kameramann), Rainer Gansera (Kritiker und Essayist) und der Dokumentarist Peter Heller.
DER TAG, AN DEM ELVIS NACH BREMERHAVEN KAM
BRD 1979.
Regie: PETER F. BRINGMANN.
Drehbuch: Horst Königstein. Kamera: Axel Block. Produktion: WDR/Tura-Film.
Mit Wolfgang Drygalla, Petra Bigaj, Michael Shelley, Margret Homeyer, Hans Michael Rehberg, Hannelore Hoger, Susanne Schnur, Marcus Müller.
Digital. 102 Min.
Ein musikalisches Zeitbild der Adenauer-Ära. Just in dem Moment, als ihre Freunde den King of Rock’n’Roll als GI in Deutschland begrüßen, fällt sich ein ungleiches Liebespaar nach einer verwickelten Anbahnung in die Arme. Peter F. Bringmann und sein Drehbuchautor Horst Königstein suchten die Vergangenheit jener Leute, die in den späten 60er Jahren studierten (und protestierten).
Donnerstag, 8.1. um 20.00 h
MANNI
BRD 1973.
Regie, Drehbuch, Schnitt: GERD HAENEL.
Kamera: Herbert Paetzold. Musik: Bach Issue.
Mit Manfred Grund, Michael Rehberg, Hilde Brand, Hamel Gempard, Hans Baur, Johannes Buzalski.
Digital. 80 Min.
HFF-Abschlussfilm. „Manni kommt auf Bewährung aus einem Erziehungsheim und nimmt wieder Kontakt zu seinen Freunden auf […] seine Bewährung wird aufgehoben: er taucht unter und wird Anstifter eines Bruchs. Der Film entstand in Zusammenarbeit mit jungen Leuten, die Ähnliches selbst oft erlebt haben.“ (HFF)
Donnerstag, 8.1. um 22.30 h
REZESSION
BRD 1972.
Gruppenproduktion von GABI KUBACH, PETER F. BRINGMANN, AXEL BLOCK, ERNST ALEXANDER VON ESCHWEGE, RAINER GANSERA, EBERHARD LUDWIG, GLORIA BEHRENS, MIKE WIEDEMANN.
Mit Hans Brenner, Mike Wiedemann, Gabi Kubach, Martin Sperr, Karl Obermayr, Otto Sander.
Digital. 55 Min.
Auf drei verschiedenen, aber ineinander übergehenden Ebenen entwickelt das marxistisch geschulte HFF-Team seinen Plot über Proletarier und Intellektuelle im Kampf gegen die verschärfte Ausbeutung in der Rezession. „Es gab die vermeintlich etwas politischere Gruppe, die wollte etwas über Gewerkschaft oder die Korrumpiertheit von Gewerkschaft machen. Jeder hat ein oder zwei Szenen geschrieben, und es gab einen Leitfaden…“ (Axel Block)
Freitag, 9.1. um 20.00 h
DER BILDFÜHRER
BRD 1972.
Regie: EBERHARD LUDWIG.
Kamera: Axel Block.
Mit Christine Gebhard, Josef Mühlbauer, Karl Heinz Siber, Otto Sämmer, Rosa Sämmer
Digital. 58. Min.
HFF-Abschlussfilm. München vor den Olympischen Spielen. Eberhard Ludwig zeigt uns die Stadt aus privater, nicht-touristischer Sicht und liest Dashiell Hammett.
Freitag, 9.1. um 22.30 h
ZWEI FILME VON RAINER GANSERA
SUNSET (1968|23 Min.)
Eine Autofahrt durch Nacht und Nebel, viele Pistolen und eine Farbverschiebung am morgendlichen Horizont.
TELEKRITIK: ÜBER ZWEI FILME VON PETER NESTLER (1975|27 Min.)
Regie, Kommentar: RAINER GANSERA.
Kamera: Michael Giefer. Redaktion (WDR): Angelika Wittlich.
Rainer Gansera führt in das Werk des Dokumentaristen Peter Nestler ein: „Nestlers Filme sind immer anderes als der Filmtypus, an den sie zu erinnern scheinen […] Sie versagen sich einen leichtfertigen Zusammenhang“.
Samstag, 10.1. um 18.00 h
ALS HITLER DAS ROSA KANINCHEN STAHL
BRD 1978.
Regie: ILSE HOFMANN.
Drehbuch: Ilse Hofmann, Martin Gies, Judith Kerr. Kamera: Axel Block. Musik: Birger Heymann.
Mit Ariane Jeßulat, Alexander E. Rosenberg, Elisabeth Trissenaar, Martin Benrath, Sigfrit Steiner, Günter Meisner, Hans Christian Rudolph, Ernst Konarek, Miriam Spoerri, Wolfgang Feige.
Digital. 110 Min.
Die erste Verfilmung des Kinderbuchbestsellers von Judith Kehr, der die Flucht einer Familie vor den Nazis aus der Sicht einer Zehnjährigen schildert. „Hier erlebt man, was die Vokabel Emigration konkret bedeutet: den Verlust eines rosa Spielzeug-Kaninchens wie den Verlust einer Sprache, die Garstigkeiten einer Concierge wie die Angst vor der Armut.“ (Hans C. Blumenberg)
Samstag, 10.1. um 20.00 h
HFF-KURZFILMPROGRAMM
HFF-Kurzfilmprogramm, darunter SAN MARCIAL (1969|Regie: PETER F. BRINGMANN) und CALL ME IN THE MORNING (1969|Regie: AXEL BLOCK).
Samstag, 10.1. um 22.30 h
DREI KURZFILME VON PETER HELLER
DAS GOLDENE ZEITALTER (1974|6 Min.)
Mitarbeit Raimund Barthelmes.
Agitations-Film gegen deutsches Investment in südafrikanisches Gold und für die Anti-Apartheid-Bewegung.
WAGNIS UND GEWINN (1972|30 Min.)
Eine riesige Hochhaussiedlung in Malaysia, errichtet von Deutschlands größtem Baukonzern. Der Filmautor lebt auf der Baustelle zusammen mit einer Studiengruppe kritischer Architekten.
MAMA UND PAPA (1973|23 Min.)
Mitarbeit Michael Bückner.
Ein altes deutsches Ehepaar hat 13 Studenten aus Ghana in ihrem Einfamilienhaus eingemietet. Ein Film über Alltagsrassismus im Zusammenleben einer ungewöhnlichen Wohngemeinschaft.
Sonntag, 11.1. um 18.00 h
ASTRAL – BLACK MAGIC – MUSIC IS CONNECTION
BRD 1972.
Regie, Drehbuch: MICHAEL GALLUS.
Kamera: Axel Hesse. Schnitt: Angelica Gruber, Ilona Demuth.
Mit Tonio Vikoler, Michael Heiner, Jürgen Koppers, Achim Lenz, Shelly Tuggle, Karin Scharf, Michael Gallus.
Digital. 80 Min.
HFF-Abschlussfilm. Ein Film der „totalen Realitätsflucht“. „Die Geschichte eines Gitarristen, der von einem fremden Planeten auf die Erde kommt, um ihr seine Musik und seine magische Kraft zu bringen. Ein modernes Märchen auf der Suche nach dem Phantastischen, der Farbe des Regenbogens, der Seele des Menschen und seines Astralleibes.“ (HFF)
Sonntag, 11.1. um 20.00 h
KEIN GRUND ZUR UNRUHE
BRD 1974.
Regie: PETER F. BRINGMANN.
Drehbuch: Gabi Kubach, Peter F. Bringmann, Axel Block. Mitarbeit: Melanie Walz. Kamera: Axel Block.
Mit Hans Peter Hallwachs, Marie Bardischewski, Charles Brauer, Heinrich Giskes, Heta Mantscheff, Wolfgang Grönebaum
Digital. 88 Min.
Chronik einer Umweltkatastrophe aus Sicht der Betroffenen: der Landwirte und Kleingärtner, deren Vieh durch den heimlich und illegal erhöhten Schwermetallausstoß eines Werks verendet und die ihre Produkte nicht mehr verkaufen können.
Montag, 12.1. um 20.00 h
ENDE DER BEHERRSCHUNG
BRD 1974.
Regie, Drehbuch: GABI KUBACH.
Kamera: Axel Block. Musik: Ingfried Hoffmann.
Mit Pola Kinski, Gila von Weitershausen, Manfred Zapatka, Joachim Kolenda, Stephan Schultze, Andreas Mannkopff.
Digital. 112 Min.
Carmen ist für eine Abtreibung nach West-Berlin gekommen. Hier begegnet sie Elisabeth, einer einige Jahre älteren Soziologiestudentin aus der liberalen Mittelschicht, die rasch dem ruppigen Charme der proletarischen Siebzehnjährigen erliegt.
Montag, 12.1. um 22.00 h
In Zusammenarbeit mit SigiGötz-Entertainment und dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München.
Mit freundlicher Unterstützung der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF) CreatiF Center.